Ales Stenar und Kåsehuvud

Ales Stenar und Kåsehuvud 

Auf dem Hochplateau Kåsehuvud oberhalb vom Hafens des alten Fischerdorfs Kåseberga thront die größte erhaltene Schiffssetzung Schwedens, Ales Stenar. Sie umfasst heute insgesamt 59 Steinblöcke in Form eines 67 Meter langen und 19 Meter breiten Schiffes.

Kåseberga 2

Die vorgeschichtliche Stätte wird bereits 1515 in einem Verzeichnis über die Ländereien des Stifts Lund erwähnt: en ager kalldiss Hesten (ein Feld, das „Hedsten" genannt wird). Der älteste Nachweis für den Namen Ales Stenar, Als Stene, ist deutlich jünger, er stammt von 1624. In seiner Beschreibung der Schiffssetzung berichtet der Gemeindepriester Niels Ipsen in Vallenberga hier von einer Tradition aus der Gegend, wonach All einen Hafen unterhalb von Kåsehuvud bauen ließ.

 Die älteste Abbildung der Schiffssetzung hängt ebenfalls mit dem Meer und der Seefahrt zusammen. In stilisierter Form finden wir Ales Stenar auf der Küstenkarte Gerhard Buhrmanns von 1684 eingezeichnet. Offenbar wurde die Schiffssetzung zu jener Zeit als Landmarke genutzt. Die erste genauere Zeichnung wurde 1777 von dem Antikenzeichner C.G.G. Hilfeling angefertigt, der zahlreiche vorgeschichtliche Stätten in Skåne abgebildet hat. Die erste bekannte Fotografie von Ales Stenar wurde 1914 aufgenommen.

 Diese und viele andere ältere Beschreibungen und Abbildungen sind für das Wissen um Ales Stenar und die nähere Umgebung wichtig. Bei zwei Gelegenheiten – in den Jahren 1917 und 1956 – hat man die Schiffssetzung restauriert. Damals waren mehrere Steine umgefallen und Sanddünen bedeckten große Teile des Schiffes. Eine Luftaufklärungsanlage, die das Militär im zweiten Weltkrieg auf dem Platz errichtete, trug ebenfalls zum Verfall bei. Von der Restaurierung 1917 ist wenig bekannt, doch die Eingriffe, die erfolgten, waren sicher nicht so groß, wie bei der unsanften Restaurierung im Jahr 1956. Damals erfolgten umfangreiche Aushebungsarbeiten mit Baggern und Planierraupen, ohne eine genauere Auswertung seitens von Archäologen.

Kåseberga 3

 Das hat dazu beigetragen, dass man über Ales Stenar lange so gut nichts wusste. Es gab keine konkrete Vermessung der Schiffssetzung und die Angaben über die Anzahl der Steinblöcke schwankten. Man wusste auch nicht, welche davon sich an ihrem ursprünglichen Platz befanden. Die Datierung basierte nur auf Vergleichen mit anderen, besser bekannten Schiffssetzungen. Es fehlte auch an Kenntnissen über die nähere Umgebung. Stand Ales Stenar allein oder gab es auf dem Platz andere Monumente?

 Seit Ende der 1980er Jahre haben mehrere archäologische und geologische Untersuchungen bei Ales Stenar und in der näheren Umgebung stattgefunden. Auch wenn die Mittel begrenzt waren und es noch immer Wissenslücken gibt, so wissen wir heute bedeutend mehr über Ales Stenar. Zunächst wurde die vorgeschichtliche Stätte sachkundig vermessen und die Steine sind systematisch beschrieben worden. Viele Steine wurden auch unterhalb der Bodenoberfläche untersucht.

Kåseberga Ales stenar

Die geologischen Untersuchungen zeigen, dass man für die Schiffssetzung durchweg Blöcke mit länglicher Form ausgewählt hat. Diese Form ist bei Findlingen ziemlich selten, vielmehr sind sie meistens rund, weil sie mit dem Eis transportiert wurden. Die Findlinge an den Seiten des Schiffs bestehen aus Granit und Gneis, während die vier Mittelblöcke aus Sandstein sind. Die Mittelblöcke unterscheiden sich auch dadurch, dass Sie aus Felsen herausgebrochen wurden. Der Steinbruch wurde auf die Küste direkt südlich von Simrishamn lokalisiert.  

Ferner wurde Holzkohle von unterschiedlichen Teilen der Schiffssetzung anhand der Kohlenstoff-14-Methode* datiert. Nicht weniger als sieben solcher Analysen zeigen eindeutig, dass die Schiffssetzung irgendwann im Zeitraum 500 – 1000 n. Chr. errichtet wurde. Das stimmt mit dem überein, was sich zu anderen monumentalen Schiffssetzungen, vor allem auf dänischem Gebiet, herausgestellt hat. Neue Forschungen zeigen, dass diese vor allem im 10. Jahrhundert nach Christus errichtet wurden. 

Unter den relativ wenigen Fundstücken, die man bei den Untersuchungen in dem Schiff gefunden hat, gibt es ein Keramikgefäß aus dem 5./6. Jahrhundert n. Chr. In dem schlichten Gefäß lagen einige verbrannte Menschenknochen und Holzkohle. Es steht somit fest, dass der Platz für Begräbnisse genutzt wurde, auch wenn kaum anzunehmen ist, dass Ales Stenar bereits zu diesem Zeitpunkt errichtet worden war.

Archäologen glauben seit langem, dass es neben Ales Stenar andere Monumente auf Kåsehuvud gegeben hat. Solche Monumente wurden übrigens auch von Hilfeling im Jahr 1777 beschrieben. Dies wurde auch von den Untersuchungen bekräftigt. Man hat entdeckt, dass es an vielen der Steinblöcke so genannte „Schalengruben“ gibt – kleine, aus dem Felsen gehauene, schalenförmige Vertiefungen.  Diese findet man auch an den Teilen der Blöcke, die im Boden liegen.

Närbild på en sten vid Ale stenar

 Schalengruben kommen häufig an Steinblöcken in Gräbern aus der Steinzeit vor, wie zum Beispiel an Dolmen und Ganggräbern, was darauf deutet, dass man bei der Errichtung von Ales Stenar Steinblöcke aus älteren Gräbern wieder verwendet hat. Mit Hilfe von geophysikalischen Messinstrumenten wie Bodenradar und Magnetometer hat Riksantikvarieämbetet, das schwedische Zentralamt für Denkmalpflege, Strukturen an der Schiffssetzung erfasst, die oberhalb der Erdoberfläche nicht sichtbar sind. Unter anderem registrierte man Spuren, die mit großer Wahrscheinlichkeit von einem entfernten Dolmen oder Ganggrab herrühren können.

Dies wurde durch eine im Jahr 2012 durchgeführte Untersuchung von archäologischen Proben bestätigt. Spuren von großen Steinblöcken, die entfernt worden sind, und Reste von kleinen Randsteinen zur Einfassung werden dahingehend gedeutet, dass sich in kurzer Entfernung von der Schiffssetzung ein Langdolmen befunden hat. Dolmen dieser Art wurden vor etwa 5 500 Jahren errichtet.    

 Man kann sagen, dass die Untersuchungen bislang nicht nur Kenntnisse über Ales Stenar gebracht haben. Sie haben auch dazu geführt, dass sich das Interesse der Archäologen vom Monument weg und hin zur Nutzung des Platzes Kåsehuvud verschoben hat. Ist es so, dass dieser Platz Menschen dazu animiert hat, Monumente zu errichten, lange bevor die Schiffssetzung entstand? Wurden einige der Steinblöcke, die Teil der Schiffssetzung sind, bereits in der Steinzeit nach Kåsehuvud hinaufgezogen? Somit liegt die Überlegung nahe, dass zumindest ein Teil der Steinblöcke, die zu der Schiffssetzung gehören, in der Steinzeit, in Zusammenhang mit der Errichtung des Langdolmens, nach Kåsehuvud hinauf transportiert wurden.

Ale stenar i motljus

 Quelle: Riksantikvarieämbetet / Swedish National Heritage Board Juni 2013

 *Die C14-Methode ist ein Verfahren zur Altersbestimmung. Sie basiert auf der Messung der menge radioaktiver Kohlenstoffisotope in einer Holzkohlenprobe oder ähnlichem organischem Material. Damit lässt sich das Alter auf einen Zeitabschnitt bestimmen.