Eine Wanderung durch die Jahrhunderte

Keine Stadt Skandinaviens und wenige in Europa kön-nen ein so vollständiges Bild einer vergangenen Kulisse vorweisen wie Ystad mit seinen gut 300 Fachwerkhäu-sern und diese Kulisse ist noch heute in höchstem Grade lebendig. In vielen der historischen Gebäude befinden sich heute nämlich Boutiquen, Restaurants und andere Lieblingsplätze für den Kauflustigen.

Das Zentrum der Stadt stammt von der Stadtgründ-ung innerhalb der drei „Tore“ Västerport, Norreport und Österport. Das Tor gen Süden bildet nach wie vor der Hafen. Das Postboot nach Stralsund war lan-ge Zeit die einzige regelmäβige Verkehrverbindung ins Ausland. Nunmehr gehen täglich Zug-, Auto- und Passagierfähren von Ystad nach Bornholm und Polen.

Wir beginnen unseren historischen Rundgang an Ystads Turistbyrå am St. Knuts torg.

Besökaregrand

Ystads TuristbyråAngrenzend, am Bahnhof, steht eine Statue, die zum Gedenken an Ernst-Hugo Järegård, Schauspieler und Ystadsohn, errichtet wurde. Am St. Knuts torg liegt Ystads Konstmuseum, wel-ches 1936 eingeweiht wur-de. Die Sammlung umfasst heute bedeutende süd-schwedische und dänische Kunst des 20. Jhs..

Im Museum befindet sich auch „Fotogalleriet“, die über eine einzigartige Sammlung Fotografien ver-fügt, unter anderem über eine Daguerreotypie von 1845.  

     

 

Hotell Continental

Hinter dem Kunstmuseum liegt Charlotte Berlins museum, ein Bürgerhaus aus der Mitte des 19. Jhs.. Charlotte Berlin war Rich-terstochter. Mit ihrem Tode 1916 vermachte sie der Stadt Ystad ihr Haus mitsamt Einrichtung sowie eine beträchtliche Summe Geld. Ihr Zuhause wurde zum Museum das u. A. über eine um-fangreiche Uhrensammlung verfügt.

Über die nahe gelegene Stickgatan, wo die St. Nicolaus kyrka der Katolska församlingen liegt, gelangt man auf die Hamngatan. Fast direkt am Hafen befindet sich das Hotell Continental, das 1814 auf den Resten eines Zollhauses aus der Mitte des 18. Jhs. errichtet worden und damit vermutlich Schwedens älteste Hote-lanlage ist.

Direkt daneben liegt das Gosselmanska huset aus dem Jahre 1765, welches 1841-1871 als Lehranstalt diente.

 

 

Unikes Theater

Ein paar hundert Meter weiter westlich trifft man auf Ystads Teater. Es handelt sich hierbei um Schwedens besterhaltenes Theatergebäude aus dem späten 19. Jh.. Hinter dem Theater zeugt eine Reihe Kanonen von der Schanze, die 1712 hier zur Verteidigung des Hafens angelegt wurde.

Von dieser Straβe gehen einige Gassen ab, die auf die Långgatan führen, in deren westlichsten Teil die Gamla Maltfabrik liegt. Dieser umbaute Handelshof aus dem Jahre 1749 beherbergt gegenwärtigt eine Neubierbrauerei und ein Restaurant. Direkt im An-schluss liegt Runnerströms torg mit einem Gedenk-stein zu Ehren des Spenders Axel Runnerström.



Von der Långgatan aus führt eine kleine Steigung zum Mattorget  wo Lilla und Stora Västergatan zu-sammenlaufen. Hier kann man Ystads Anfänge als Handelsstadt erahnen. Der Mattorget bildete bis ins 16. Jh. die westliche Grenze der Stadt und war Han-delsplatz für Lebensmittel.


Direkt daneben befindet sich auch der Kemnerska gården, dessen älteste Teile aus dem frühen 16. Jh. stammen. Hier entlang kam Karl XII., als er im De-zember 1715 auf dem Heimweg nach Pommern in Ystad einritt. Über Västerport und Lilla Västergatan, welche damals die groβe Einfahrtsstraβe war, er-reichte er das Zentrum. Im Kemnerska gården sagt eine Tafel, dass der Heldenkönig dort gewohnt hät-te, was Forschung unterdessen widerlegt hat.

Möchte man sehen, wo Karl XII. während eines sei-ner Aufenthalte in Ystad gewohnt hat, muss man sich noch etwas gedulden.
Ystads Teater





Restaurang Bryggeriet & Maltfabriken

 

St:a Maria Kyrka

Latinskolans östra gavel

 

Ein lebendiger Turmwächter

Neben dem Mattorg befindet sich das älteste noch existierende Gebäude der Stadt, die St. Maria kyrka aus dem 13. Jh. , sowie die Latinskolan mit ihrem Staffelgiebel. Die Schule geht auf das 16. Jh. zurück und wird als das älteste erhalten Schulgebäude Skandinaviens angesehen. Vom Turm der St. Maria kyrkan er-schallt jede Nacht das Kupferhorn des Turmwächters – eine Tradition seit dem 17. Jh.. Nicht wenige der Besucher zweifeln daran, dass tatsächlich ein lebender Mensch für die „Musik“ verantwortlich ist. Aber so ist es wirklich! Alle 15 Minuten zwischen 21.15 Uhr und 1 Uhr in der Nacht tönt sein dumpfer Ton über die Stadt und bedeutet dass alles in Ordnung ist.

Vom Mattorget aus führt die Lilla Västergatan zur Norra Prome-naden. Hier werden im Sommer Singabende veranstaltet. Am angrenzenden Gamla Kyrkogården auf dem viele Kulturpersön-lichkeiten, Politiker und Kaufleute der Stadt ruhen. Lilla Norrega-tan, die parallel zur Stora Norregatan verläuft, geht auch vom Mattorget aus. Auf letzterer steht einer von Ystads hübschesten und meistverzierten Fachwerkhöfen, das Änglahuset, dessen äl-teste Teile aus dem frühen 16. Jh. stammen. Schräg gegenüber liegt das Brahehuset, das von Axel Pedersen Brahe im 15. Jh. errichtet wurde. Er starb 1487 und ist in der Klosterkirche begraben.



Neben all diesen historischen Gebäuden liegt die Redaktion und Anzeigenannahme von Ystads Allehanda in einem Haus, das August Strindberg einige Monate am Ende des 19. Jh. bewohnt hat. Wir befinden uns jetzt in der Nähe des Norreport18, wo man noch immer die Reste des Stadtwalles aus dem 17. Jh. sehen kann.

Hier befindet sich, was auch Schwedens erstes Warenhaus genannt werden könnte, Hagermanska köpmanspalatset, er-richtet 1830. Dieser gehört heute zu Siriuslogen.

 

 

Gröβte Sehenswürdigkeit

Klostret mit der St. Petri kyrka kann als Ystads impo-santeste historische Sehenswürdigkeit betrachtet werden. Dieses ist neben Vadstena Schwedens bes-terhaltene Klosteranlage. Sie besteht heute aus fünf Bereichen, die Platz für Ausstellungen, Café und Souvenirladen bieten. Klosterträdgårdarna umfassen ein Rosarium, einen Kräutergarten mit einer hüb-schen Sammlung Gewürz- und Heilpflanzen, einen Pfingstrosengarten und einen Teich mit unterschied-lichen Wasservogelarten. Daneben liegt ein verputz-tes Stadthaus aus der Mitte des 19. Jh.. Eine Ge-denktafel am Giebel verkündet, dass hier der Musi-ker und Komponist August Körling von 1866 bis zu seinem Tod 1919 gewohnt hat. Das Haus ist auch Felix Körlings barndomshem, Geburtshaus des berühmten Komponisten Felix Körling.

Über Bäckahästagränd, wo Ystads Frivillige Berg-nings-Corps museum und Tvättorget liegen, erreichen wir nun Stortorget und Gamla Rådhuset, die 1840 ihre heutige Gestalt erhielten. Der älteste Teil hingegen, der Rathauskeller, stammt noch aus dem 15. Jh. und beherbergt heute ein Restaurant.

Am Stortorget liegt auch der Apoteksgården mit Ur-sprüngen im 7. Jh.. Hier liegt nunmehr ein Töpfer, der im Sommer musikalische Unterhaltung bietet. Neben dem Apoteksgården befindet sich ein gewaltiges Wohnhaus aus dem Jahre 1794. Dort wurde 1831 Schwedens erste Bank, Skånska Privatbanken, gegründet, heute teil von SEB.

Klostret i Ystad


Kålgården vid Klostret

 

Fußgängerzone

Vom Tvättorget mit Jens Jacobssons handelshus aus dem Jahre 1640, geht auch die zum Teil kopfsteinge-pflasterte Teppgränd, die bis zur Stora Östergatan führt, ab. Birgittahuset, das man an seinen Staffel-giebeln erkennt, war im 17. und 18. Jh. Teil eines Bürgermeisterhofs. Hier wohnte Karl XII. während seiner Besuche in Ystad. Im nahe gelegenen Henrik Rogges gård, mit Ursprüngen im 17. Jh., wird Kunst- und Kunsthandwerk aufbewahrt.

Der Aspelinska gården von 1780 liegt in der Gåse-gränd. Dort, wo Gåsegränd und Pilgränd auf der Stora Östergatan zusammentreffen, befindet sich das Pilgrändshuset, von 1480, Skandinaviens ältes-tes noch existierendes Fachwerkhaus. Gehen wir weiter durch die Fuβgängerzone in östlicher Richt-ung, treffen wir auf Karstens hus, das nach Gustaf III. Hofsänger Christian Karsten benannt wurde.

Die Besökaregränd ist eine Querstraβe zur Fuβgän-gerzone. Hier befindet sich ein weiteres interessan-tes Baudenkmal, Per Helsas gård, das seinen Namen durch seinen letzten Privatbesitzer Per Hansson, der hier die Wasserfabrik Helsan betrieb, erhielt. Dies ist Skandinaviens einziges noch erhaltenes Fachwerk-hausviertel. Heute befinden sich hier „Konsthantver-karna i Ystad“.

Birgittahuset på gågatan



Per Helsa

 

 

Privatwohnung wurde Rathaus

Hier angekommen befinden wir uns am Österports-torg und Nya Rådhuset, dem Neuen Rathaus, das 1814 vom Handelsrat C. M. Lundgren als privates Wohnhaus errichtet wurde. Das Gebäude war zeit-weise Lehranstalt und ist heute Sitz der Stadtver-waltung.

1936 fand in Ystad Schwedens bedeutende Ausstel-lung mit dem Namen „Fritiden“ statt, an die heute noch das gewölbte Gebäude südlich des Rathauses erinnert. Während der Ausstellung war dies ein Res-taurant, wurde später dann aber zur Sporthalle mit dem Namen „Bollen“. Der nahe gelegene Nattmans torg erinnert an die Anstalt, die bis ins 19. Jh. u. A. Handlanger des Henkers war. Moderne Rechtsprech-ung geschieht im Tingshuset, dem Gericht. Das Ge-bäude wurde 1902 nach Entwürfen des Stadtarchi-tekten Peter Boisen errichtet.

Damit endet die historische Wanderung durch Ystad ungefähr dort wo sie begann: am St. Knuts torg und Ystads turistbyrå.

Österportstorg

Idrottshallen

 

 

Kaserne wird Filmzentrum

Mehr als 200 Jahre war Ystad Militärstadt. Am 31. Dezember 2007 verlieβ jedoch Lv 4 als letztes Regiment das Kasernengebiet an der Regements-gatan. Zurück blieb ein kulturhistorisch interessantes Gebiet mit denkmalgeschützten Gebäuden.

Hier befindet sich u. A. Ystad Studios und Cineteket.
Cineteket
Publicerad 2008-10-22, Uppdaterad 2019-03-01